Ich wollte schon immer Lehrerin werden. Damals – also vor ca. 30 Jahren – hörte ich dann, ich könne keine Verantwortung für eine Schulklasse übernehmen. Ich hab das damals geglaubt, auch deshalb, weil es niemanden gab, der das anders sah und mich bestärkte.
Später hatte ich mir überlegt, stattdessen Psychologie zu studieren. Dann hörte ich im damaligen Berliner Magistrat: „Behinderte sollten sich lieber einen Psychologen nehmen als Psychologie zu studieren.“
Ich weiß noch, wie ich damals „Jetzt erst recht!“ zu mir sagte, bewarb mich und bekam einen Studienplatz – an der Humboldt-Universität zu Berlin. Das war 1990 – Zeit der Wende in vielfachem Sinne für mich. Leider wurde während meines Studiums ein Hydrocephalus diagnostiziert, der mehrere Operationen nach sich zog und so entschied ich mich – schweren Herzens – das Studium nach dem Grundstudium abzubrechen.
Es dauerte nicht lange und ich war wieder da: als Mitarbeiterin in einem Forschungsprojekt an der Technischen Universität zu Berlin.
Im Anschluss studierte ich Sozialarbeit und Sozialpädagogik an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen – als erste Rollstuhlfahrerin in einer damals noch nicht rollstuhlgerechten Hochschule.
Das waren die Anfänge und wenn ich heute durch Berlin spaziere, dann denke ich an der ein oder anderen Ecke: Da hab ich dran mitgewirkt.
Inzwischen bin ich Sozialpädagogin und wenn ich so Rückschau halte, dann bin ich meinem Lehrerin-Traum immer ein Stück näher gekommen: als Sozialpädagogin in Projekten zur Berufsorientierung, Bildungsbegleiterin in theoriereduzierten Berufsausbildungen, Schulsozialarbeiterin, als Beraterin für inklusive Stadtteilarbeit, inzwischen stehe/sitze ich ganz selbstverständlich vor Schulklassen im Projekt Perspektivwechsel und seit Oktober als Dozentin im Studiengang Heilpädagogik.
Innerhalb der Persönlichen Zukunftsplanung, einer personenzentrierten Hilfeplanungsmethode, nutzt man ein Modell, wie Träume, wirklichkeit und Humor zusammenwirken:

Das Lin-Yutang Modell
Der Autor, ein chinesischer Schriftsteller, ging davon aus, dass Wirklichkeit, Träume und Humor kein Widerspruch, sondern gleich wichtig sind, um zur Weisheit zu gelangen.
Ob ich nun schon weise bin, kann ich nicht sagen.   Aber: Ich weiß, dass aus der Kombination aus Wirklichkeit, Träumen und Humor viel Stärke entstehen kann und das dann auch Träume wahr werden.
So wie mein Lehrerin-Traum.

 

11. Oktober 2017