Hallo,

für manchen Außenstehenden besteht mein Leben wohl nur aus Widersprüchen. Denn ich mache Dinge, die mir andere nie zugetraut hätten bzw. die aus schulmedizinischer Sicht gar nicht möglich sind.

Nun habe ich mir in vergangen Tagen häufiger die Frage gestellt, mache ich das wegen meines Handicaps oder trotz meines Handicaps?

Ich beschreibe hier nun ein paar Sachen aus meinem Leben und Sie bilden sich am besten Ihre eigene Meinung dazu!

Ich gehe schon seit über 20 Jahren ins Fitnessstudio. Bis zu meiner ersten Hüft-OP nahm ich regelmäßig an Spinningkursen teil. Irgendwann kündigte der Kursleiter (Instructor) und man brauchte einen neuen. Einfach formuliert ist ein Spinninginstructor ein DJ auf einem Standfahrrad mit Schwungscheibe. Da mir das Spinning wirklich Freude gemacht hat, fragte ich welche Voraussetzungen man braucht um so einen Kurs leiten zu dürfen. Man sagte mir da reicht ein Wochenendkurs und dann hätte man den Schein dafür.
Kurzum ich einigte mich mit meinem damaligen Fitnessstudio darauf diesen Schein zu erwerben. Die Tatsache, dass ich Spinningkurse nun nicht mehr nur besuchte sondern auch noch selbst leitete, führte dazu dass meine Physiotherapeutin Ihr Fortbildungskonzept änderte. Denn bis dahin vermittelte Sie Ihren Teilnehmern, wie auch viele Lehrbücher, dass Spastiker keine schnellen Bewegungen machen können was ja bei einem Spinnininstructor so nicht stimmen konnte.

Habe ich das gemacht wegen meines Handicaps oder trotz? Ich habe es vor allem wegen dem hohen Spaßfaktor getan!

Ich führte lange ein Leben das von meinen Schwächen geprägt war! Später hielt ich dann Vorträge über Eigenliebe! Das klingt doch wieder nach einem Widerspruch, oder?
Für mich gar nicht, denn man kann am besten Dinge vermitteln, die man auch selber gelöst hat. Denn das trägt zur Authentizität bei.

Kenne ich mich mit Thema Eigenliebe wegen oder trotz meiner Behinderung aus? Ich weiß es nicht, natürlich hatte meine früher fehlende Selbstliebe aus meiner Sicht etwas mit meiner Behinderung zu tun. Doch heute weiß ich, dass dies für viele ein Thema ist, denn jeder kann sich hinter irgendetwas verstecken! Ganz egal ob es die Abstammung, das Aussehen oder was auch immer ist, bei mir war es eben die Behinderung.

An was es letztendlich lag, ich weiß es nicht! Entscheiden Sie das.

Sprachbehinderter Seminarleiter, ist das ein Widerspruch?

Also, für mich und meine Teilnehmer nicht! Denn ich gleiche da mein Handicap durch mein Wissen, meine Empathie, meinen Humor und durch meine mitreisende Art aus. Außerdem ist es sogar so, dass sich meine Aussprache verbessert, wenn ich als Seminarleiter oder Coach über Dinge spreche, die mir am Herzen liegen.

Verlief mein Leben so wie es verlaufen ist trotz oder wegen meiner Behinderung? Ich weiß es nicht! Doch ich weiß eines: Ein Mensch mit Handicap ist nicht nur deshalb ein besserer oder schlechterer, als einer ohne Handicap!

Es kommt nur darauf an was ein Mensch aus seinem Leben macht.

 

11. Oktober 2017