Hey, ich bin Constantin Grosch.
Ich bin mir gar nicht so sicher, was ich hier soll. Denn eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass das Umsetzen eigener Ideen und Projekte eines Menschen mit Behinderungen kein Widerspruch ist. Für viele ist es das aber noch nicht, weil Menschen mit Behinderungen nicht mit Merkmalen wie Leistungsfähigkeiten und Willensstärke in Verbindung gebracht werden.
Im Kreistag von Hameln-Pyrmont setze ich mich in verschiedenen Bereichen für das Gelingen der Inklusion ein. Im Jahr 2012 gründeten einige Mitstreiter und ich dazu das „Forum Inklusion“ welches zum Ziel hat, möglichst praktische Verbesserungen für Betroffene der Inklusion zu erreichen. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass man, wenn es um das Thema Behinderung geht, eben nicht nur auf die direkt Betroffenen, also den Menschen mit der Behinderung achten darf, sondern vor allem auch auf die Personen dahinter schauen muss. Wie kann man Eltern behinderter Kinder unterstützen? Welches Wissen müssen wir Lehrern vermitteln? Können Assistenten selbstverständlich in die Schule oder den Betrieb integriert werden? All das versuchen wir mit allen Betroffenen in einem großen Beteiligungsprozess zu begleiten und umzusetzen.
Darüberhinaus versuchen wir mit positiven Beispielen ein Klima des „Ausprobierens“ zu schaffen. Das Kuratorium zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen e.V., welches ich leiten darf, verleiht dazu einmal im Jahr den Inklusionpreis – und das schon seit über 10 Jahren.
Besonders wichtig ist mir aber, Menschen mit Behinderung die gleichen Möglichkeiten zu geben, die alle andere Menschen auch haben und sie dadurch zu motivieren selber in die Offensive zu gehen. Am Stärksten werden diese Bemühungen momentan durch Gesetzeslagen behindert, die es Menschen mit Assistenzbedarf quasi verbieten, mehr Vermögen als 2.600 € zu besitzen. Eine eigene Existenz aufzubauen ist damit kaum möglich, arbeiten lohnt sich nicht und das Hoffen auf die Verwirklichung von Träumen aussichtslos. Deshalb startete ich 2013 eine Petition, an der mehr als 130.000 Menschen teilnahmen. Dies ermöglichte mir mit vielen einflussreichen Menschen zu sprechen und wird es in Zukunft auch Menschen mit Behinderungen ermöglichen, eine eigene Familie und Existenzen zu gründen und sogar weiter entfernte Ziele zu verwirklichen.
Daneben studiere ich Wirtschafts- und Rechtswissenschaften in Bielefeld – natürlich in einer eigenen Wohnung – und hoffe, in wenigen Jahren mein eigenes Geld in einem ganz normalen Betrieb zu verdienen.
Ich glaube es gibt für viele Menschen mit Behinderungen nichts wünschenswerteres als die pure Banalität des Alltages. Allerdings nicht des Alltages eines behinderten Menschen, sondern die eines „normalen“ Menschen. Die Freiheit unterwegs ein Getränk zu trinken, in das Kino nebenan mit einem Freund gehen, jede Kneipe besuchen zu können und nicht schon Tage oder Wochen vorher jeden Termin zu organisieren. Der Wunsch, einfach völlig durchschnittlich zu sein.

11. Oktober 2017