„Mein Name ist Aleksander Knauerhase, ich bin Autist und arbeite freiberuflich als Referent und Dozent.“
Mit diesem Satz fängt ein Video an, mit dem ich mein Crowdfundingprojekt vorstelle. Normalerweise erwähne ich nicht im ersten Satz, dass ich Autist bin. Mir ist klar: Für viele Menschen ist genau dieser Satz schon ein Widerspruch in sich. Vielleicht wird er sogar als Provokation empfunden. Ein Autist, der als Referent und Dozent arbeitet? Ein Mensch, der in den Augen vieler in seiner „eigenen Welt“ lebt, Angst vor anderen Menschen hat und wahrscheinlich gar nicht reden kann? Das ist das Bild, das immer noch viele Menschen in dieser Gesellschaft von Autisten haben.
Kann man so ein Crowdfundingprojekt für ein Buch überhaupt erfolgreich bewerben? Ich denke schon. In diesem Satz steckt nämlich auch eine wichtige Information: Ich bin Autist. Und ich habe ein Buch über Autismus geschrieben. Und hier wird mein Autismus zur Stärke. Nur ein Autist kann Autismus aus der Innensicht beschreiben und Einblicke in den Alltag eines Autisten geben. Eine weitere Sichtweise auf die Behinderung, von der viele Menschen reden, von der aber nur wenige wissen, was sie wirklich bedeutet.
Ich frage mich oft, was der Widerspruch in den Köpfen der Menschen für mein Leben bedeutet. Behindert er mich? Ja. Zumindest in allen Fällen, in denen ich am Gesicht des Gegenübers förmlich ablesen kann, dass Autist und Referent für diese Person nicht zusammenpassen. Wenn das Defizitdenken dominiert, habe ich es einfach schwer. Widersprüche sind nicht leicht zu durchbrechen. Diese Widersprüche sind aber auch eine Chance auf Bewegung und Wandel. Nämlich immer dann, wenn ich meinen Gegenüber davon überzeugen kann, dass die Sichtweise eines Autisten eine Bereicherung ist. Dass ein Autist Wissen über Autismus vermitteln kann, das wertvoll und bisher kaum zu finden ist. Kurzum: Wenn aus Defiziten auf einmal Stärken werden, Defizite aufbrechen und Chancen daraus erwachsen.
Was ist der Satz am Anfang meines Videos nun? Widerspruch? Provokation? Information? Er ist wohl alles in einem. Für viele ist es ein Widerspruch. Manchmal sicher auch eine hilfreiche Provokation, wenn es darum geht, eben diesen Widerspruch aufzubrechen. Und zum Schluss natürlich auch eine Information, die aus dem aufgebrochenen Widerspruch eine Chance und Stärke wachsen lässt.
Für viele Menschen sind Autismus und die Tätigkeit als Referent ein Widerspruch. Aber einen Weg zu gehen, der für andere nicht vorstellbar ist, bedeutet für mich vor allem eines:
Genau die Stärken selbst zu leben, von denen ich in meinen Weiterbildungen und Vorträgen dem Publikum erzähle.

11. Oktober 2017